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1. März 2012

Rettung in reissenden Fluten

Es ist alles andere als ein schöner Sommertag, als ich im Schwimmbad Aarberg/BE eintreffe. Der Himmel ist grau verhangen und ein kühler Wind weht. Nur wenige mutige Leute haben sich an diesem Samstag ins Freibad gewagt. Doch die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer des Flussmoduls stört das Wetter nicht im Geringsten. Mit Neoprenanzügen ausgerüstet, stürzen sie sich in die Fluten, denn Flussrettung wartet nicht auf schönes Wetter.

Die eigene Sicherheit ist am wichtigsten

Fluss1Die Nervosität steigt. Zum ersten Mal sehen die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen den Ort, wo sie sich am Nachmittag in die reissende und kalte Aare werfen sollen. «Es ist wichtig abzuschätzen, ob ein Flussabschnitt sicher ist. Wer unüberlegt in den Strom springt, um jemanden zu retten, bringt sich selbst in hohe Gefahr», erklärt der Kursleiter Matthias Klotz. Aus diesem Grund besichtigt die Gruppe als Erstes den Flusslauf. Im Theorieunterricht lernen die angehenden Flussretterinnen und -retter die Tücken von fliessendem Gewässer kennen. Gefahren sollen frühzeitig erkannt und umgangen werden. «Selbst kleinste Flüsse und niedrige Bäche können aufgrund von Wasserwalzen zu Todesfallen werden!», warnt Matthias. «Jedes Jahr passieren leider tödliche Unfälle deswegen.» Wasserwalzen entstehen, wenn fallendes Wasser auf einen Untergrund trifft und wieder zurückgespült wird. Weitere Gefahren sind starke Strömungen und Hindernisse im Wasser, wie z. B. Schwemmholz.

Ab in die reissenden Fluten

Fluss2Nach dem Theorieunterricht heisst es «ab ins Wasser». Vorerst werden die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer noch geschont. Die Schwimmelemente zur Flussrettung werden zuerst im gewärmten Schwimmbecken geübt. Erst danach quetschen sie sich in ihre dicken Neoprenanzüge und Schwimmwesten und watscheln an den Fluss. Ihnen ist etwas mulmig. Im Fluss können ja so viele Gefahren lauern. Zum Glück sind sie aber darauf vorbereitet. Mit einem Klatsch werfen sich die zukünftigen Flussschwimmprofis dick eingepackt nacheinander in die Fluten. Als Erstes müssen sie sich an das Schwimmen im Fluss gewöhnen. Gar nicht so einfach! Sofort werden sie von der Strömung mitgerissen. Die Neoprenanzüge und die Schwimmwesten geben ein wenig Auftrieb. Nähern sich die Flussschwimmer und -schwimmerinnen der markierten Ausstiegsstelle, beginnen sie kräftig zu kraulen, damit sie das Kehrwasser erreichen. Das Kehrwasser ist eine ruhige Stelle im Wasser mit fast keiner Strömung. Eine solche Stelle tritt meistens nach einem Hindernis, wie einem grossen Stein oder einem Brückenpfeiler, auf. Nach zwei Stunden sind die Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer völlig ausgepumpt und bis auf die Knochen durchnässt. Höchste Zeit, um den anstrengenden und lehrreichen Tag ruhig ausklingen zu lassen. Erschöpft und glücklich lässt sich die Gruppe ein letztes Mal den Fluss hinuntertreiben.

Text:
Corina Futter